Über die Konkurrenz (Teil 1)

Oder warum ich bestimmte Veranstalter nicht toleriere und bei anderen wiederum froh bin, dass es sie gibt.

 

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Ich stehe Konkurrenz und Wettbewerb im Allgemeinen positiv gegenüber. Konkurrenz belebt den Markt! Sie fordert uns dazu heraus, effizienter und differenzierter zu sein. So entwickeln wir uns stets weiter – im Unterricht, bei der Nachwuchsförderung, bei Auftritten und bei Veranstaltungen. Wir entwickeln neue Konzepte, laden neue, teilweise noch unbekannte Musiker und Tanzpaare ein, organisieren exklusive Veranstaltungen in ausgefallenen Locations, trainieren, etc.. Dabei geht es uns letztlich immer um den Tango, denn nach meinem Verständnis muss sich der Wettbewerb auf das “Produkt” TANGO konzentrieren. So steigern wir die Qualität und stärken unseren Standort, was mir sehr am Herzen liegt. Ich wünsche mir, dass TangotänzerInnen von überall nach Heidelberg kommen und ich begrüße alle Konkurrenten, die ernsthaft um den Tango bekümmert sind und die Qualität des Tangos in der Region hochhalten!

 

Wenn ein Newcomer, ob Lehrer oder Veranstalter, einen echten Beitrag im Tango leistet, dann wird er oder sie von der Szene gut empfangen und das führt zu Wachstum und zur Expansion der Szene. Wenn aber dieser das Gleiche anbietet, obwohl oft etwas schlechter, dann führt dies nicht zu Wachstum, sondern bestenfalls hat es eine inflationäre Wirkung.

 

Warum werden die schlechteren “Me-too-Veranstalter” nicht vom Markt verdrängt, könnte man sich fragen. Nun, das Problem liegt meiner Meinung nach darin, dass man nicht in der Sache selbst konkurriert. Man muss sich bewusst machen, dass es verhältnismäßig einfach ist, ein Tangoveranstalter zu werden. Man benötigt einen Raum, etwas organisatorisches Geschick und eine Strategie. Um ein Stück vom Kuchen abzubekommen werden teilweise Strategien angewandt, die gar nicht auf das Tangokönnen setzen. Eine gut bekannte Strategie neben dem Produkt ist “Service” oder das im Tango sehr beliebte “Socializing”. Solche Strategien beruhen z. B. darauf, in Sachen Kommunikation besonders stark zu sein und/oder (nicht selten aufgesetzte) Warmherzigkeit zu vermitteln. Socialzing und Service in allen Ehren, aber sie dürfen das Tangokönnen nicht komplett ersetzen. Und – um Schröder zu zitieren – wir können nicht davon leben, dass wir uns gegenseitig die Haare schneiden.

 

Teilweise beruht die Strategie auch auf der Kunst der List, dem Ruf der Konkurrenz zu schaden. Die Rede ist von Image-Angriffen. Von sehr bekannten DJs habe ich schon gehört, dass sie unsere Einladung ablehnen wollten, weil sie Negatives zu Ohren bekommen haben. Später wunderten sie sich dann darüber, dass sie mit uns so super klar kamen.

 

Auch bekomme ich öfter mal mit, dass über meine Person schlecht geredet wird – und das von Leuten, die mich gar nicht kennen. Sicherlich lassen sich derlei Aussagen an Einzelfällen demonstrieren, sie sind aber als pauschale Verurteilungen unzulässig, falsch und unfair.

 

Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell sich Leute von solchen Gerüchten und Vorurteilen beeinflussen und verwirren lassen, anstatt mit dem gesunden Menschenverstand zu urteilen. Und wenn sich jemand tatsächlich an etwas stört oder über etwas wundert, dann soll er oder sie es mir doch direkt sagen. Dann kann ich mich erklären und das Problem aus der Welt schaffen … oder auch nicht. ;-)

 

 

Wann schätze ich die Konkurrenz:

 

  • Wenn sie fachlich hochqualifiziert sind und den Tango leidenschaftlich betreiben. Doch wenn jemand quasi über Nacht zum Tangoveranstalter wird, obwohl er oder sie eigentlich jahrelang etwas anderes gemacht hat, dann habe ich Zweifel daran, dass die Motivation aus der Leidenschaft für den Tango erwachsen ist. Ich z.B. hätte weder Zeit noch Interesse, neben dem Tango noch andere Veranstaltungen zu organisieren, auch wenn das finanziell vielleicht reizvoll wäre.

 

  • Wenn ihre Unternehmensstrategie zu Wachstum führt, sie z. B. neue Menschen für den Tango gewinnen, Nachwuchs fördern und Top-TänzerInnen ausbilden, das bisherige Angebot qualitativ (nicht nur quantitativ) steigern – und zwar vor allem in Sachen Tango und nicht ausschließlich in Sachen Socializing.

 

  • Wenn sie Andere, die hochwertige Beiträge für den Tango leisten, respektieren und fair bleiben, d. h. keine Image-Angriffe betreiben.

 

Letztlich stelle ich mir immer folgende Frage: Wenn Tango morgen out wäre und irgendein neuer Tanz die Welt erobern würde, welcher Tangobetreiber wäre noch da und würde sich weiterhin um den Nachwuchs und die Nachhaltigkeit des Tangos kümmern? Diese Frage kann ich für mich definitiv mit JA beantworten.

 

 

© Emile Sansour

 

 
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